Ich rede und schreibe viel über die Lebenswelt von Kindern mit komplexer Behinderung und wie man ihre Lebensqualität und die ihrer Bezugspersonen verbessern kann. Nun möchte ich einem einige persönliche Fakten von mir preisgeben. Ich hoffe, sie lassen Sie etwas überraschen, schmunzeln und geben einen guten Einblick in mein Leben. Viel Spaß beim Blick hinter die Kulissen.
Präsenz und Energie
- Ich bin morgens sofort wach und voller Energie. Ich nutze diese für meine Vision. Dafür stehe ich auch um 5 Uhr am Wochenende auf. vom klingeln des Weckers bis zum Hausverlassen benötige ich 15 Minuten.
- Neben dem Führen meines Unternehmens als Dozentin setze ich mich für pflegende Eltern ein und habe eine kleine Anstellung über 40% im Kinderhospiz.
- Ich verstehe sofort, dass pflegende Eltern nicht nur Eltern sind, sondern auch Pfleger, Therapeuten, Mediziner, Administratoren, Sekretären und noch viel mehr gleichzeitig.
- Ich lebe wirklich im Jetzt. Ich genieße die Augenblicke, vor allem die mit meinen Kindern.
- Ich bin gerne in Gesellschaft, kann aber auch alleine sein.
- Ich bin meistens gut gelaunt und positiv gestimmt und stecke andere mit meiner Fröhlichkeit gerne an.
- Ich feuere andere gerne an und ermutige sie neues auszuprobieren.
- Ich verzichte weitestgehend auf das Smartphone und sehe es als Arbeitsgerät und nicht als Freizeittool.
Beruf und Unternehmertum
- Ich finde extrem schnell die Fähigkeiten der Kinder im Kinderhospiz raus, egal ob das ist, ihr Bein aufgestellt zu halten, oder ihren Ellenbogen zum Abstützen zu verwenden. Ich kann auch ihre Stärken schnell finden, auch wenn die Umgebung mehr Defizitorientiert ist.
- Ich beobachte automatisch, wie sich Menschen in meiner Umgebung bewegen. Dabei erkenne ich sofort, wenn jemand unnötig Kraft einsetzt.
- Ich räume Stühle so hin, dass man leichter aufstehen kann und sehe in jedem Sofa eine Bewegungsaufgabe.
- Berührungen erzählen mir mehr als Worte, daran erkenne ich auch besser wie es jemanden geht.
- Mit Beginn meiner Selbstständigkeit war mein größtes Ziel, dass pflegende Eltern eine Beratung in meinem Fachbereich in Anspruch nehmen können und das nicht finanzieren müssen. Seit 2023 ist das sogar möglich!!!
- Ich will unbedingt mal ein Buch schreiben, am Liebsten einen Wissenscomic über Spastik, das grobe Skript und Beschreibung der ersten 50 Bilder steht schon…
Lebensstil und Genuss
- Ich trinke keinen Kaffee, mag aber seinen Geruch. Nur manchmal gönne ich mir einen Latte Macchiato mit Zucker und Chai Tee mit Milch und Honig.
- Ich habe eine Vorliebe für Süße Lebensmittel, egal ob es um Wein, Getränke oder Nougat.
- Den Geschmack von Aprikosen mag ich, esse sie aber nicht, weil ich das Gefühl das der Pelz der Schale in meinem Mund auslöst nicht mag. Bin ich damit die Einzige?
- Mit Mineralwasser kann ich mich nicht anfreunden. Was soll dieses Gesprudel in meinem Mund und wie soll ich das nur schlucken? Leitungswasser ist doch immer da und Qualitativ hochwertiger…
- Ich mag kein scharfes Essen. Also Sushi nur mit einem Hauch von Wasabi, keine Chilies und so. Meine Eltern, Kinder und mein Mann essen viel schärfer als ich.
- Mit Lakritze kann man mich jagen. Schon alleine der Geruch ist doch ekelig, und ja ich mag auch keine Gummibärchen die ihre Packung mit Lakritzeteilchen teilen mussten.
- Da ich keinen Kaffee trinke und noch nie geraucht habe gelte ich im Schichtsystem als Exotin.
- Mein Liebstes Fortbewegungsmittel ist das Fahrrad. Egal ob 5 Minuten oder 5 Wochen hintereinander.
- Ich fahre lieber Zug als Auto (so viel dass ich im ICE Freigetränke bekomme). Die Logistik hinter diesem Unternehmen fasziniert mich.
- Ich habe in 4 Bundesländern gewohnt, vom ländlichen Vogtland über den dörflichen Franken und der Metropole Berlin bis zu einer 40.000er Stadt vor Hamburg.
Leidenschaften und Natur
- Ich bin gerne draußen, egal wo ich bin. Das gibt mir richtig Kraft.
- Ich beobachte gerne Tiere, egal ob die Taube auf dem Nachbardach, die Ameisen zwischen den Gehwegplatten auf der Terrasse oder unsere beiden Zwergkaninchen und freue mich hüpfend, wenn ich den Marder auf der Wildtierkamera erwischt habe.
- Unsere Zwergkaninchen Bommel und Möhrchen sind Geschwister. Trotzdem ist Bommel größer, schwarz und extrem weich und Möhrchen mittlerweile grauer als Karottenfarben.
- Ich kann auch stundenlang ins Feuer schauen oder den Himmel beobachten.
- Urlaub und Erholen heißt für mich wegfahren.
- Meine Lieblingstiere sind Wölfe. Ich habe sogar ein ganzes Regal voller Wölfe und als Teenie eine Homepage dazu gebaut.
- Ich ziehe Zelten und Lagerfeuer einem 5 Sterne Urlaub vor (zum Verdruss meines Mannes).
- Ich kann kaum Pflanzen benennen, selbst die die meine Kinder immer brav wiederholen. Mit mir kann man einfach jede Woche eine Kräuterwanderung machen und ich bin immer wieder begeistert davon.
- Ich mag keine Blumensträuße. Warum sollen sie auf dem Tisch stehen, wenn sie doch draußen viel schöner und länger blühen und man dann auch noch Insekten beobachten kann? Es ist mir ein Rätsel.
- Regen und Schnee mag ich lieber als den Sonnenschein.
- Ich fahre seit meinem zweiten Lebensjahr Ski voller Begeisterung: Langlauf, Alpin, Snowboard. War aber noch nie mit meinen Kindern Ski fahren.
- Ich kann nicht nur gut Schach spielen, sondern habe daran auch viel Spaß.
- Ich habe mein Bücherregal selbst gebaut und an die Dachschräge angepasst.
- Meine Lieblingsfarbe ist türkis. Es heißt für mich Neues und Bewegung.
- Ich mag Fasching, kenne all die Lieder, mag das Verkleiden und tanzen dort und all das alkoholfrei. Gerne möchte ich mal Karneval in Mainz verfolgen.
- Ich habe viele Ideen und bastel/werkel gerne
- Ich liebe bayerische Kerwas und Bierfeste obwohl ich kein Bier trinke. Gruß geht raus nach Kulmbach. Wenn ich frei habe bin ich auch zum Altstadtfest da.
- Ich mag keine Fotos von mir, weil… na ja… ich habe als Teenie selten Bravo gelesen und Germanys next Topmodel geguckt… und da entspreche ich nicht so den Idealen… Eins meiner Lieblingsbilder von mir ist das hier:

Das Bild ist 2025 beim Adventskalender-Shooting mit Jens vom Studio Gleis11 entstanden
Lernen und Medien
- Ich bin gerne in die Schule gegangen, hatte aber immer schlechte Noten und Bewertungen.
- In der Realschule wurde ich in den betriebswirtschaflichen Zweig gedrängt, obwohl ich nie etwas damit zu tun haben wollte. Anwenden kann ich das heute als Unternehmerin auch nicht.
- Ich kann keine Fremdsprache trotz 10 Jahre Englischunterricht und diversen Auslandsaufenthalten stammle ich nur mündlich wie schriftlich.
- Musik spielt in meinem Leben keine große Rolle. Bei Musik will ich gut unterhalten werden (etwa durch deutsche Liedermacherinnen), mitsingen oder tanzen und das mache ich eher selten.
- Ich höre gerne Podcasts, meistens über Wissen.
- Ich mag keine Krimis und kann auch den Reiz daran nicht erkennen.
- Horrorfilme kann ich gar nicht und habe noch nie einen gesehen
- Ich schau super selten Fernsehen, wenn dann Streame ich Serien mit meinem Mann oder schau mit den Kindern Naturdokus.
- Ins Kino gehe ich gerne, besonders für lustiges oder politisches.
- Einer meiner besten Anschaffungen war der zweite Bildschirm. Ich habe immer viele Tabs, Fenster und Programm gleichzeitig geöffnet.
- Ich muss mein Handy sehr oft suchen. Kann man nicht ein Telefon mit einer Schnur erfinden?
- Ich frage ständig: „Geht das auch anders?“ Mich interessiert selten der Standardweg, besonders weil dieser nur für „Standard-Menschen“ passt und so jemanden kenne ich gar nicht.
Persönlichkeit und Verhalten
- Ich bin 166 cm groß wie die deutsche Durchschnittsfrau. Trotzdem sind Stühle oft zu groß für mich. Wie fühlen sich dann kleinere Menschen?
- Ich tragen seit meinen Teenagertagen Brille und zwar immer, wenn meine Augen geöffnet sind. Also ja: in der Sauna erkenne ich auch meine Begleitung nicht mehr.
- Streiten mag ich gar nicht, auch wenn mein Mann mit den Kindern schimpft.
- Ich mag es nicht, wenn ich gekitzelt werde. Egal von wem.
- Ich habe in meiner Grundschulzeit Judo gemacht und dabei immens an Selbstbewusstsein gewonnen.
- Oft fehlt mir der Mut und ich brauche eine Weile bis ich mir etwas (zu)traue. Etwa diesen Artikel hier schiebe ich schon lange vor mir her.
- Ich bin wirklich nicht perfektionistisch, mir reichen immer 70% oder ein Bestanden. Der Prozess ist mir wichtiger als das Ergebnis.
- Ich kann nicht ab, wenn Menschen ungerecht behandelt werden, besonders wenn diese sowieso schon benachteiligt sind.
- Ich habe kein gutes Personengedächtnis und weiß meist nur ungefähr im Aufbaukurs, wer auch den Basiskurs bei mir gemacht hat (und das obwohl der drei Tage geht!) Ich bitte hiermit offiziell um Verzeihung.
- Außerdem mache ich gerne viel spontan, wie als ich im Zelturlaub das Auto verkauft habe und mit meinen Kindern mit der Bahn 800 km gefahren bin.
- Ich hasse es Schuhe zu kaufen und besitze nur sehr wenige.
- Ich bin sehr optimistisch und der Meinung, jede Person gibt ihr Bestes. Daher hinterfrage ich das getane nicht.
- Ich traue anderen Menschen einiges zu ohne sie zu überschätzen. Meistens mehr als sie selbst es für möglich halten und besonders ihre Eltern.
Familie und Elternschaft
- Meine Mutter ist Erzieherin und mein Vater Altenpfleger. Ich finde da bin ich als Heilerziehungspflegerin genau in der Mitte. Mein Vater war lange selbstständig als Dipl. Ingenieur und machte Energieberatungen und begann erst im Altenheim, als ich mit der Ausbildung fertig war.
- Das Verhältnis zu meiner Familie ist geprägt durch eine tiefe Verbundenheit und gegenseitiger Wertschätzung.
- Mein Bruder hat als 16jähriger den Buddhismus entdeckt und lebt als Mönch im Dschungel von Sri Lanka.
- Ich bin sehr offen und antworte meinen Kindern altersentsprechend auf ihre Fragen, egal ob über Sexualität, Rassismus, Politik. Zum Beispiel diskutieren wir gemeinsam über Leihmutterschaft.
- Meine Kinder nerven oder belasten mich nicht. Ich liebe ihre Energie und mach gerne auch Quatsch mit ihnen, egal ob Kaugummiblasen oder einen Besenstil-Flug.
- Ich bin mit einem Wissenschaftler verheiratet, das heißt bei uns geht es bei Glaubwürdigkeit vor allem in Studien und Statistiken, und nicht irgendwelche und von irgendwem.
- Meinen ersten Kontakt mit Menschen mit Behinderung hatte ich schon im Kindergarten. Es war total normal, dass da auch Kinder mit Behinderung waren ohne sich inklusiv zu nennen.
Sie haben bis hier her gelesen (vielen Dank dafür) und kennen mich nun echt gut. Wenn Sie sich fragen: Wie arbeitet diese Frau konkret mit meinem Kind? Dann zeigt Ihnen das mein Leitfaden. Darin geht es um das WIE und WARUM. Warum ich Fähigkeiten entzünde statt Defizite zu sehen.

